Gestalttherapie hat erst einmal nichts zu tun mit kneten, malen und basteln.
Sie hat einen humanistischen Ansatz und arbeitet erlebnisorientiert im Hier und Jetzt. Dabei wird der Mensch als Ganzes mit Körper, Geist und Seele einbezogen.
Eine nicht abgeschlossene 'Gestalt' meint dabei eine Situation, in die wir häufiger hineingeraten, die für uns aber nicht zufriedenstellend verläuft. Wir bemerken zum Beispiel, dass wir wieder einmal nicht das aussprechen, was wir eigentlich denken oder fühlen. In der gestalttherapeutischen Arbeit experimentieren wir dann mit den Hintergründen unseres Verhaltens, suchen andere Arten damit umzugehen und verfolgen das Ziel, einen für uns guten Weg zu finden.
Dabei arbeitet die Gestalttherapie mit dem Verstand UND dem Körper. Gerade die uns unbewussten Hinweise aus unserem Inneren helfen uns dabei, uns selbst besser zu verstehen und anzunehmen.
Dazu eine persönliche Geschichte aus meiner Gestalt-Ausbildung:
Seit frühester Kindheit fühlte ich mich am Rand der Familie, der Nachbarschaft, im Verein, in der Schule... Eine wiederkehrende Gestalt, mit der ich ziemlich unglücklich war.
Im Rahmen meiner Ausbildung war das immer wieder Thema. An einem für mich besonders „schlimmen" Tag wurde meine Position innerhalb der Ausbildungsgruppe in einem großen Raum dargestellt: Ich in der einen Ecke, ALLE anderen in der anderen Ecke schräg gegenüber. Ein größerer Abstand war nicht möglich. Schmerzlich. Und auch hilfreich, das so deutlich wahrzunehmen.
Mit der Zeit änderte es sich. Auf einmal merkte ich, dass ich mir selbst Plätze suchte, die nicht mehr am Rand lagen. Dann, dass ich manchmal mittendrin war, was mir zunächst auch unangenehm war. Und zuletzt war ich meist mitten dabei und fühlte mich dort wohl. Gleichzeitig konnte ich aber auch am Rand sein, wenn ich es wollte. Ich habe die Fähigkeit entwickelt, die Wahl zwischen beiden Möglichkeiten zu treffen. Diese Freiheit hatte ich vorher nicht.
